Hosting für alle
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- Geschrieben von 2009-10-01 E3 Magazin
E-3: Wie definieren Sie den Unterschied zwischen Outsourcing und Hosting?
Martin vom Bruch: Outsourcing bedeutet sowohl den Betrieb der Systemlandschaft als auch die Applikationsbetreuung mit UserHelpDesk, Customizing und Programmierung. Beim Hosting sprechen wir von der Bereitstellung der Applikationen, der notwendigen BackupTechnologie und der technischen Anbindung von Kundenstandorten. Im Bereich des Hostings treten wir als Generalist auf, die hier auftretenden Fragestellungen leisten wir mit unserer eigenen Mannschaft. Outsourcing-Angebote erstellen wir mit unseren langjährigen Partnern, hier gehen wir insbesondere auf Kundenwünsche im Bereich Hotline-Verfügbarkeit und Applikationsbetreuung ein.
E-3: SAP-Hosting-Angebote sind mittlerweile ein Standard-Angebot. Was unterscheidet Ihr Angebot von dem des Mitbewerbers?
Vom Bruch: Hauptunterschied zu unseren Wettbewerbern ist die Fokussierung auf eine andere Kundenklientel. Die Klientel, die wir hauptsächlich mit unseren Lösungen bedienen wollen, sind kleinere und mittelständische Beratungsunternehmen des Hostings mit integrierter SAP-Lizenz.
Natürlich betreuen wir auch gerne mittelständische Kunden, die ihre produktive Landschaft bei uns hosten wollen. Allerdings haben wir deutschlandweit einen einzigartigen Vertrag mit der SAP ausgehandelt, der es uns erlaubt, zu extrem wettbewerbsfähigen Preisen Test- und Demosysteme jedweder Ausprägung zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Lizenz erschließen wir momentan unter anderem den Markt der freien Bildungsträger. Wir bieten die Möglichkeit, auf einem SAP-ECC-6.0-Best-Practices-System mit einem durchgeführten Grundcustomizing der Module MM, SD, HCM und FI Berufsrückkehrer und Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen zu trainieren und somit in der Anwendung der SAP-Software fit für den ersten Arbeitsmarkt machen zu können. Hierfür wird keine Education-Partnerschaft benötigt, da das Ausbildungsziel nicht die Beraterqualifikation, sondern Grundkenntnisse der Anwendungsbedienung ist. Wir unterscheiden uns durch unsere extreme Kosteneffizienz und unsere schlanken Strukturen. Bei uns zählt der kurze, direkte Kontakt der Kunden zu uns.
E-3: Hosting ist für viele Bestandskunden ein Weg zur Effizienzsteigerung: Bieten Sie in diesem Zusammenhang auch Lizenzmanagement und Releasewechsel an?
Vom Bruch: Lizenzmanagement ist ein heikles Thema. Nicht selten sind Firmen unter- bzw. überlizenziert. Um dieses Thema abzudecken, bedienen wir uns unserer Partner, die langjährige Erfahrungen in diesem Gebiet vorweisen können. Beim Releasewechsel unterscheiden wir den technischen Releasewechsel und den funktionellen Releasewechsel. Den technischen Releasewechsel übernehmen wir komplett, sowohl auf Systemen, die bei uns gehostet sind, als auch als externer Dienstleister für Systeme, die vom Kunden im Normalfall selbst betreut werden.
E-3: Zählen Sie zu den Basisangeboten auch die Beratung und Unterstützung beim Customizing von Enhancement Packages?
Vom Bruch: Das Customizing von Enhancement Packages zählt, wie auch das allgemeine Customizing, zu den Aufgabenstellungen, die wir mit unseren Partnern abbilden. Wir selbst haben uns auf alle Aufgaben im Betrieb unserer Hosting-Services und in der Beratung im Basisbereich spezialisiert.
E-3: Welche Erfahrungen haben Sie mit den Enhancement Packages gemacht?
Vom Bruch: Wir haben alle Enhancement Packages einschließlich Level 4 bereits installiert. Die von uns gehosteten Schulungssysteme sind auf Enhancement Package Level 3 aufgebaut.
E-3: Welche Basistechnologien gibt es bei MvB-Consulting im Rahmen des Hostings?
Vom Bruch: Alle Systeme im Hause MvB-Consulting basieren auf NetWeaver-Technologien, schließlich existieren wir in der heutigen Form erst seit Ende 2007. Seit der Gründung der GmbH haben wir stetiges Wachstum bewiesen.
E-3: Welche Infrastruktur haben Sie für das Hosting aufgebaut?
Vom Bruch: Wir setzen sehr stark auf Virtualisierungstechnologien und bewährte Blade-Technologie. Momentan ist unsere Infrastruktur auf SLES Enterprise Server 10 mit XEN aufgebaut. Zusammen mit der Blade-Technologie bieten wir ein ausgefeiltes Loadbalancing unserer Kundensysteme an.
E-3: Unterscheidet sich das SAPHosting von Applikationen von anderen Hosting-Szenarien?
Vom Bruch: Dies kann man uneingeschränkt bejahen. Das SAP-Hosting unterscheidet sich von anderen Hosting-Lösungen durch deutlich erhöhte Anforderungen an die Performance der verwendeten Systemumgebung und stringentere Vorgaben bezüglich der verwendeten Hardware und Datenbankkombinationen. Wir verwenden nur freigegebene Komponenten. Auch an die Verfügbarkeit der Systeme stellen SAP-Kunden im Regelfall deutlich höhere Erwartungen als Non-SAP-Kunden.
E-3: Welche Werkzeuge verwendet MvB-Consulting zur Verwaltung der gehosteten Applikationen?
Vom Bruch: Ein zentraler Bestandteil der Verwaltung ist der aktuelle Solution Manager, mit dem wir nicht nur die Early Watch Alerts wöchentlich fahren, sondern den wir auch für die Szenarien „Change Request Management“ und „Service Desk“ nutzen. Die Kunden haben die Möglichkeit, über unseren Solution Manager ein Ticket aufzumachen das wir vorqualifiziert weiterleiten. Mit dem Solution Manager sind wir zudem in der Lage, den Kunden detaillierte Verfügbarkeitsanalysen anzubieten. Im Bereich der Überwachung nutzen wir das CCMS in Verbindung mit Nagios, einem Open Source Tool. Um ein performantes Loadbalancing und auch eine High-Availability-Lösung anbieten zu können setzen wir auf openQRM, welches exakt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist.
E-3: Bestandskunden haben das ERP mit Open-Source-Applikationen. Was halten Sie davon? Und hosten Sie auch gemischte Anwendungsarchitekturen?
Vom Bruch: Wir bereits erwähnt, nutzen wir intensiv Open-Source-Software. Unsere Umgebungen laufen alle auf SuseLinux-Enterprise-Server in Verbindung mit der MaxDB, wobei bekanntermaßen beides Open-Source-Software ist. Open Source ist mittlerweile hochqualitativ bei vernünftiger Kostenrelation. Hier gilt der alte Satz „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“ zum Glück nicht mehr. Wenn Kunden mit der Anforderung nach dem Hosting einer gemischten Anwendungsumgebung an uns herantreten, erstellen wir hierfür gern ein maßgeschneidertes Angebot.
E-3: Sie bieten auch Test- und DemoHosting an. Für wen ist das relevant?
Vom Bruch: Dieses Angebot ist für jeden interessant, der eine SAP-Landschaft aufbauen möchte und von Anfang an mit belastbaren Zahlen kalkulieren will. Für unsere Systeme gilt von vornherein eine transparente Kostenbasis, d. h. im jeweiligen Vertrag ist von vornherein geregelt, mit welchen Kosten unsere Kunden zu rechnen haben. Als Wunschkunden für diese Szenarien haben wir klein- und mittelständische Beratungshäuser fokussiert, die als einen wesentlichen Vorteil die im monatlichen Preis enthaltene Lizenz haben. Es wird kein internes Basis-Knowhow benötigt und auch die Anforderungen an die firmeneigene Hardware sind bei unserer Hosting-Lösung deutlich geringer, da der separate eigene Server für den Betrieb der SAP-Landschaft bei uns und nicht beim Kunden/Beratungshaus steht.
E-3: Kennen Sie ein Szenario?
Vom Bruch: Ein klassisches Beispielszenario ist ein mittelständisches Beratungshaus, das einen Kunden gewonnen hat, der von einer Non-SAP-Lösung auf eine aktuelle SAP-Lösung wechseln möchte. Hier besteht die Möglichkeit, auf einem unserer Testsysteme die benötigte Entwicklung und Anpassung durchzuführen, diese vom Kunden direkt begutachten zu lassen und nach Abnahme durch den Kunden dann in eine Produktivumgebung zu übernehmen. Der Vorteil für das Beratungshaus wie auch für den Endkunden ist, dass die Lizenzgebühren erst anfallen, wenn die Entwicklung und Anpassung durchgeführt ist.
E-3: Welchen Einfluss hat die Diskussion um den Standard/Enterprise-Support auf das Hosting-Geschäft?
Vom Bruch: Hier reagieren die Kunden extrem sensibel. Auch wenn die Lizenz- und Supportpreise teilweise weit unter denen anderer Anbieter liegen, fällt es den Kunden schwer zu verstehen, warum sie 24/7-Support kaufen sollen, wenn doch der klassische Betrieb in der Zeit von 6:00 bis 18:00 Uhr abgebildet wird. Doch diese Problemstellung muss glücklicherweise nicht von uns diskutiert werden, hier ist SAP gefordert, den Mehrwert für ihre Kunden zu kommunizieren, wobei wir sie um diese Aufgabe definitiv nicht beneiden.
E-3: Welche Erwartungen haben Sie für den Hosting-Bereich im Jahr 2010?
Vom Bruch: Der Hosting-Bereich wird auch im Jahr 2010 und 2011 noch wachsen. Hier wird eine Verschiebung weg von den großen Anbietern hin zu kleineren Spezialisten stattfinden. Es gibt auch eine Verschiebung weg von Nearshore- und Offshore-Lösungen; zumindest im Segment der mittelständischen Kunden, da diese Kundenklientel ihre Ansprechpartner vor Ort haben möchte
Weiterführende Informationen: Originalartikel

